Erstes Weihnachten ohne Eltern

Ein ganz komisches Gefühl. Obwohl meine Mutter nun neun Jahre tot ist und mein Vater seit 2013 nicht mehr zu Hause mit uns Weihnachten feiert, ist es dieses Jahr anders. Es ist mein erstes Weihnachten ganz ohne Eltern. Die letzten Jahre war immer noch mein Vater präsent, obwohl er im Heim war. Viele Kindheitserinnerungen an den Heiligen Abend waren gegenwärtig.

Zum Beispiel habe ich mit drei Jahren eine Märklin-Eisenbahn von meinen Eltern geschenkt bekommen. Und natürlich – ganz das Klischee erfüllend – hat mein Vater sie aufgebaut. Ich schaute mit großen Kinderaugen zu, was da vor meinen Augen entstand. Nach 2 Stunden fuhr sie rund um den Weihnachtsbaum und ich klatschte vor Freude in die Hände.
In den Jahren drauf bekam ich immer wieder Gleise, Waggons, Häuser, Bäume und vieles mehr dazu. Nach einigen Jahren hatten wir eine tolle Landschaft und ich habe tatsächlich selbst mit wachsender Begeisterung mit der Eisenbahn gespielt. Später bekam sie mein Cousin, bei dem sie – soweit ich weiß – heute noch steht. Ich muss mal nachfragen.

Auch ein schönes Weihnachtsritual war, dass wir Heilig Abend immer in ganz großer Runde, mit 11 Personen feierten. Meine Tante und mein Onkel hatten eine Bäckerei und am Heiligen Abend war immer viel los. Bis die Backstube und der Laden sauber waren, war es meist schon spät am Nachmittag. Deswegen haben meine Mutter und ich immer ein aufwändiges Menu gezaubert. Wir standen lange in der Küche. Mit viel Freude und Kreativität tobten wir uns aus, versuchten uns an neuen Rezepten und hofften, dass sie gelingen würden. Meine Tante hatte einen großen Esstisch und ein großes Wohnzimmer, also hatten wir alle bequem Platz. Papa transportierte alles „nach vorne“, wie es hieß. Meine Mutter und meine Tante deckten den Tisch und mein Vater und ich platzierten die Geschenke unter den Baum, während mein Onkel noch eine Runde schlief, um zum Essen und zur Bescherung fit zu sein. Kurz vor dem Essen, ging mein Vater in den Hof zu den Hunden meines Onkels, die sollten „auch nicht leben wie ein Hund an Weihnachten“, jedes Jahr bekamen sie ein großes Stück Fleischwurst von ihm.

Über die Zeit bröckelte die große Weihnachtsrunde, die Großeltern starben nach und nach, wir Kinder waren manchmal nicht dabei oder nur kurz, weil Freunde und Freundinnen hinzukamen. Irgendwann als ich selbst Kinder hatte wurde die große Familienfeier aufgegeben. Mir hat sie immer etwas gefehlt und noch heute denke ich wehmütig daran zurück. Sicherlich verkläre ich das eine oder andere in der Erinnerung, aber dafür sind Erinnerungen da.

Und nun das erste Weihnachten ganz ohne Eltern. Da sind die vielen Erinnerungen hilfreich.

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