Archiv der Kategorie: Alltag

Ein Jahr später

Vor einem guten Jahr kam die WhatsApp „Malu, wie lange bist du noch in Urlaub?“ Bei dieser Frage zog es mir den Boden unter den Füßen weg, wusste ich doch, dass es jetzt zu Ende gehen würde. Papa ging es schon lange nicht mehr gut, es war ein ständiges Auf und Ab. Wir packten und fuhren noch in die Nacht hinein nach Hause. Ich wollte am nächsten Morgen an seinem Bett sitzen.

Es sollte noch eine Woche dauern, bis mein Vater bereit war zu sterben, bis ich bereit war Abschied zu nehmen, los zu lassen. Ein Jahr später weiterlesen

Es frühlingt

„Ich hätt‘ gern ne Cola.“ „Ja Papa, du kannst auch Cola zum Frühstück haben.“ Wie gerne denke ich an die Gespräche zurück, die wir in einem kleinen Café am Rande des Bad Nauheimer Kurparks hatten. Das erste Jahr im Heim, als mein Vater noch recht fit war, sind wir einmal im Monat freitags morgens in dieses Café und haben gemeinsam gefrühstückt. Es frühlingt weiterlesen

I did it may way

Dieses Lied von Frank Sinatra hat mich in meinem Leben begleitet. Ich habe oft genug Wege eingeschlagen, von denen mir Verwandte, Freunde und ab und zu auch meine Eltern abrieten. Manchmal bin ich dabei auf die Nase gefallen, aber meist war es genau der richtige Weg.

Vielleicht habe ich das von meinem Vater, der mir immer wieder verschmitzt diese Geschichte erzählte: „Als ich als 18-Jähriger, nicht wie von meinem Vater geplant und organisiert mich bei der Bahn beworben hatte, sondern bei Siemens, hat er tagelang nicht mit mir gesprochen. Ich glaube, am liebsten hätte er mir noch den Hintern versohlt.“ I did it may way weiterlesen

Erstes Weihnachten ohne Eltern

Ein ganz komisches Gefühl. Obwohl meine Mutter nun neun Jahre tot ist und mein Vater seit 2013 nicht mehr zu Hause mit uns Weihnachten feiert, ist es dieses Jahr anders. Es ist mein erstes Weihnachten ganz ohne Eltern. Die letzten Jahre war immer noch mein Vater präsent, obwohl er im Heim war. Viele Kindheitserinnerungen an den Heiligen Abend waren gegenwärtig.

Zum Beispiel habe ich mit drei Jahren eine Märklin-Eisenbahn von meinen Eltern geschenkt bekommen. Erstes Weihnachten ohne Eltern weiterlesen

Herbstzeit – Erinnerungszeit

Ich sitze am Esstisch und schaue meine Fotowand an. Früher habe ich diese Fotowände mit Familienbildern bei anderen Menschen immer etwas belächelt. Seit mein Vater tot ist, bin ich selbst stolze Besitzerin einer solchen Fotowand und meine Kinder belächeln das etwas. Aber so schare ich meine Lieben um mich. Bei jeder Mahlzeit schau ich in die Augen meines Vaters und meiner Mutter. Ich weiß genau wo und wann das Foto gemacht wurde: wenige Tage vor dem plötzlichen Tod meiner Mutter 2008 vor ihrem Lieblingsrestaurant in Spanien. Herbstzeit – Erinnerungszeit weiterlesen

Welt Alzheimertag – wir müssen reden!

Es ist schade, dass mich der Welt Alzheimertag erst interessierte als mein Vater an Demenz erkrankte. Dabei wird er seit 1994 am 21. September begangen. „Erst wenn man selbst betroffen ist, interessiert einem ein solch schwieriges Thema“, sagte mir mal die Tochter eines Bewohners im Heim. Ja, sie hatte recht. „Schwierige“ Themen lassen wir nicht an uns heran, bis sie uns einholen. Rückblickend bin ich froh, dass ich mit dem Thema schon seit etwa 2005 konfrontiert wurde. Ich arbeitete damals einige Jahre in Bad Nauheim in der Parkinson Klinik als PR Referentin. Welt Alzheimertag – wir müssen reden! weiterlesen

Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand

Als sie Anfang siebzig war, findet die Mutter von Jörn Klare ihre Küche nicht mehr. Die Ärzte diagnostizieren Demenz. Für den Sohn wirft das große Fragen nach dem Wert und der Würde des Lebens mit Demenz auf. Kann ein Mensch seine Würde verlieren? Kann man sich selbst verlieren? Er spricht darüber mit Fachmenschen, wie Altenpfleger, Theologen, Soziologen und Psychologen.

„Demenz macht Angst. Angst ist der größte Risikofaktor für gute Hirnleistungen. Schön, dass es auch gute Nachrichten gibt: Neun von zehn Menschen jenseits der fünfundsechzig sind nicht dement.“ Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand weiterlesen

Der 81. Geburtstag

Heute wäre mein Vater 81 Jahre alt geworden. Im letzten Jahr haben wir den 80. Geburtstag im Heim mit Kaffee, Kuchen, netten Gästen und hilfreichen Damen, die mit geschmückt und den Tisch gedeckt haben, gefeiert. Letztes Jahr im Mai hoffte ich, dass wir den 80. noch feiern könnten. Er war damals im Krankenhaus und es sah gar nicht gut aus. Aber, er hatte sich wieder aufgerafft und wollte weiterleben. Bis zu seinem Geburtstag war er wieder fast „der Alte“, so weit das mit dieser Krankheit sagen kann. Es war ein schöner Tag, wir haben viel Kuchen gegessen und die Gäste freuten sich, dass „Werner heute alles bezahlt“. Der 81. Geburtstag weiterlesen

Würdevoller Abschied

„Ich muss Ihnen sagen, dass Ihr Vater eben gestorben ist. Mein herzliches Beileid.“ Auf den Anruf hatte ich fast gewartet. Aber der Reihe nach. An dem Tag als ich den Blogpost „Warten“ schrieb, ist mein Vater gestorben. Er ist friedlich eingeschlafen, so wie ich es ihm gewünscht hatte.
Als ich den besagten Blogpost gerade hochgeladen hatte, rief eine Mitarbeiterin aus dem Heim an: „Malu komm, es geht zu Ende.“ Ich hatte eh schon den Autoschlüssel in der Hand, war ich doch in dieser Woche jeden Tag bei ihm. Würdevoller Abschied weiterlesen

In eigener Sache – wie geht es weiter?

Viele haben mich nach dem Tod meines Vaters am 7. April gefragt, was nun mit dem Blog geschieht. Ich werde ihn auf jeden Fall weiterführen. Er lebt in meinen Erinnerungen weiter. Als ich die letzten Wochen einige persönliche Sachen und Unterlagen sortieren musst, sind mir so viele Geschichte aus seinem und unserem Leben eingefallen. Darüber möchte ich schreiben. Aber es sind auch noch viele Erlebnisse, die ich mit ihm hatte in der Zeit der Erkrankung, die ich euch nicht vorenthalten möchte. In eigener Sache – wie geht es weiter? weiterlesen