Archiv der Kategorie: Hilfe

Im Krankenhaus – 10 Tage

Krankenhaus„Ihr Vater war heute früh sehr aggressiv.“ Ich schaute die Pflegerin an, die dies so ganz nebenbei zu mir sagte, als ich meinen Vater am 6. Tag im Krankenhaus besuchte. „Was war denn los?“ wollte ich wissen. „Wir mussten ihm einen Katheder anlegen, da wir eine Urinprobe brauchten, da hat er plötzlich um sich geschlagen.“ Hm?! Ich stellte mir vor, dass die Pflegerin an seinem Bett gestanden hat und sagte: „Herr Schäfer, wir legen jetzt einen Katheder an!“ und sofort loslegte. Das kann ja nur schiefgehen. „Wissen Sie, bei schwer dementen Patienten geht das nicht so fix. Und wie soll er Ihnen denn mitteilen, dass er das nicht mag? Er kann sich ja nicht mehr verständlich machen.“ Sie zuckte mit den Schultern und ging. Im Krankenhaus – 10 Tage weiterlesen

Das bin ich

ZimmerschildFreudig kam mir mein Vater entgegen gelaufen, als er mich im Treppenhaus sah. Es war im August 2013 kurz nachdem er ins Heim gekommen ist. „Schau mal“, rief er, „das bin ich!“ Neugierig lief ich hinterher, gespannt darauf, welches Bild er mir nun zeigen würde. Ich dachte an diejenigen, die ich in seinem Zimmer als Collage zusammengestellt hatte, da war auch ein sehr schönes von ihm dabei. Doch vor seiner Zimmertür machte er Halt und deutete auf ein Schild neben der Tür. Das bin ich weiterlesen

Der Wasserschaden

Der Wasserschaden Es war Anfang April 2013. Ich war mitten in den Vorbereitungen einer größeren Veranstaltung und entsprechend angespannt. Ein Promi sollte der Gastredner sein und da musste alles stimmen. Am Vortag war ich in der Location, um alles für den großen Tag zu richten. Eine Freundin war bei meinem Vater. Sie wollte so nett sein, ein bisschen mit ihm im Garten zu arbeiten. Der Wasserschaden weiterlesen

Demente sind nicht doof

Demenz_Buch„Dement, aber nicht bescheuert“, so heißt das im letzten Oktober erschienene Buch von Michael Schmieder. Klar, dass ich es mir sofort gekauft habe, das ist ja „mein“ Thema. Schmieder ist Leiter einer Pflegeeinrichtung in der Schweiz, deren Konzept als vorbildlich in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen gilt.

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Dinge verschwinden (1): die Brille

Sehtest„Papa, kannst du mich überhaupt sehen?“ Er blinzelte mich verschlafen an. Ich sah, dass er seine Brille nicht auf hatte. Da er sehr weitsichtig war, blieb ich auf Abstand. Er guckte mich sehr erstaunt an. Ich hatte das Gefühl, er versteht mich nicht. Ich ging zu ihm ans Bett, streichelte ihm übers Gesicht und sagte: „Papa, kannst du mich sehen? Du hast keine Brille auf? Wo ist sie denn?“ Dinge verschwinden (1): die Brille weiterlesen

Der Mann mit dem Rillo

palenie cygara, cygaro w rce - w tle deski, drewno„Ohje, Papa, da müssen wir aber schnell was machen.“ Er schaute mich erstaunt an und an sich hinunter. Am liebsten hätte ich heftiger reagiert, denn was ich sah, hat mir – vorsichtig ausgedrückt – den Atem verschlagen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
An Demenz Erkrankte gehen phasenweise sehr kreativ mit ihren Körperausscheidungen um. Ja, auch das Thema will ich ansprechen, es gibt halt nicht nur die „schönen“ Geschichten mit einem Bonmot am Schluss.  Der Mann mit dem Rillo weiterlesen

Der Autoschlüssel

Der Autoschlüssel„Papa, wir haben früher oft darüber gesprochen, wann es Zeit ist, den Autoschlüssel abzugeben und nicht mehr Auto zu fahren.“ „Jaja, meine Schwester hat das viel zu spät gemacht. Ich hab immer wieder mit ihr geschimpft und was da nicht alles passiert ist. Es hätte viel schlimmer kommen können.“ „Ja, Papa, ich erinnere mich noch gut, sie war ja mal plötzlich auf den Gehsteig gefahren.“ „Ja und?“ „Papa, du hast damals zu mir gesagt, wenn ich meine, dass es soweit sei, solle ich dir den Schlüssel abnehmen, auch wenn du das nicht willst.“ Der Autoschlüssel weiterlesen

Information tot Not

Demenz Vergesslichkeit AltersdemenzVor fünf Monaten startete ich nach langem Überlegen diesen Blog. Meine Ziele waren zum einen für mich festzuhalten, wie die Demenz meines Vaters unser gemeinsames Leben verändert, unsere Beziehung ändert und zum anderen war mir Sichtbarkeit und Aufklärung über die Krankheit, die jeden treffen kann, wichtig. Von der Resonanz war ich überwältigt, die ersten Posts wurden jeweils von über 500 Personen gelesen und ich bekam sehr viel Resonanz, weniger in Kommentaren, mehr in Emails, auch von mir völlig fremden Menschen. Information tot Not weiterlesen