Die Auslöschung

Auslöschung_ARDWas für ein Titel. Was für ein Film. Es geht um eine späte tiefe Liebe zwischen der Restauratorin Judith Fuhrmann (Martina Gedeck) und dem Kunsthistoriker Ernst Lemden (Klaus-Maria Brandauer). Als das Glück perfekt erscheint, beide zusammen ziehen wollen, wird Ernst „komisch“. Es dauert eine Weile, bis Judith klar wird, dass die „Schusseligkeit“ ihres Liebsten auf Demenz hindeutet. Ernst verliert sein Intellekt, seine rhetorische Gewandtheit und Brillanz. Es kommt immer wieder zu Streitigkeiten, weil er seine Krankheit sehr ernst nimmt. Er möchte alles darüber wissen, liest was er unter die Finger bekommt und beschäftigt fast mit nichts anderem mehr. Fast scheint es so, dass das Beschäftigen mit seiner Krankheit ihm Halt gibt. Aus dieser glücklichen Liebe wird eine schwierige Pflegesituation.

Vorausahnend wie sein Schicksal aussehen wird, besorgt sich Ernst Gift. Er versteckt es in seiner Bücherwand, hinter den Titeln von Seneca und schreibt sich in weiser Voraussicht einen Zettel „Seneca bringt Erlösung“, den er in seine Geldbörse legt.
Ich will den Inhalt und vor allem das Ende nicht weiter schildern, denn der Film ist sehenswert und jeder soll sich sein Bild davon machen.

Die Auslöschung ist ein beeindruckender Film. Es ist ein Spielfilm und kein Dokumentarfilm. Vielen Spielfilmen über Demenz wird vorgeworfen, dass sie unrealistisch seien. Das stimmt nicht, jede Realität dieser Krankheit ist anders, es gibt nichts Allgemeingültiges, außer, dass der Geist der Betroffenen sich unaufhaltsam auflöst. Trotzdem ist es wichtig Spielfilme zum Thema zu drehen, denn diese ziehen deutlich mehr Zuschauer an, als Dokumentarfilme. Spielfilme pointieren, lassen weg und können nicht immer alles realistisch darstellen, es soll eine Geschichte erzählt werden. Und das ist gut so. Denn darüber kommt die Krankheit in den Blick der Öffentlichkeit.
Hier wird die Geschichte einer großen, erst kurzen Liebe erzählt, die so schnell in die nur schwer zu ertragende Wirklichkeit dieser Krankheit gerät. Die Schauspieler, Klaus-Maria Brandauer und Martina Gedeck sind sehr überzeugend, viele feine „Töne“ in Gestik und Mimik werden sichtbar und ziehen den Zuschauer in den Bann dieser Beziehung. Sie versetzen sich erstaunlich gut in die Realität ihrer Rolle bis zum Ende, das so schlüssig wie überzeugend ist.

Die Auslöschung ist von 2013. Damals habe ich ihn gesehen kurz bevor mein Vater ins Heim kam. Es war für mich kaum aushaltbar, den Film bis zum Ende zu schauen und ich brauchte viele Taschentücher. Ich konnte mich zu gut in die Situation von Judith und Ernsts Familie versetzen. Vieles war einfach zu schrecklich für mich.

Nun, über zwei Jahre später, mit entsprechendem Abstand, habe ich Dinge entdeckt, die mir damals verborgen blieben. Einige Szenen hatte ich ganz vergessen. Vermutlich habe ich den Film jetzt erst verstehen und nachvollziehen können und auch bis zum bitteren Ende nachvollziehen können.

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