Ein Heim finden

„Wie? Sie haben einen Demenzgarten, aber kein Konzept für Demenz-Patienten mit Weglauftendenzen?“ Gewappnet mit der Liste der Sozialarbeiterin aus dem Krankenhaus, suchte ich mir – auch über Internetrecherche – im Juli 2013 ein paar Heime aus, die ich mir ansehen wollte. Da ich kurze Wege haben wollte kamen nur Friedberg und Bad Nauheim in Frage, eventuell Rosbach oder Florstadt. Das erste mit dem Demenzgarten in Friedberg machte keinen guten Eindruck auf mich, obwohl neu gebaut und alles sehr modern, war es kein guter Empfang. Es gab keine „Pforte“ und keine Ausschilderung, ich musste durch einen dunklen Gang an jeder Tür lesen, wo ich die Heimleitung finden könnte. Das Gespräch war sehr steif. Und sehr schnell war klar, dass es kein Konzept für Menschen gab, die nachts gerne unterwegs sind und keine, wie auch immer geartete, Sicherung für meinen Vater, der sich gerne neugierig auf den Weg nach draußen macht. Das also kam nicht in Frage. Zumal es in Bahnhofsnähe lag und ich meinen Vater schon nach München oder Hamburg reisen sah.

„Ja, wir werden uns zukünftig mehr damit auseinandersetzen müssen, dass Demente ins Heim kommen, oder unsere Heimbewohner dement werden!“ Diese Aussage erzeugte bei mir trotzdem Stirnrunzeln, ich hatte das Gefühl, dass noch nicht ernsthaft darüber nachgedacht wurde. Das zweite Heim in Bad Nauheim war schon etwas besser vorbereitet. Es hatte mehrere Häuser auf einem großen Gelände und eines wäre ganz gut geeignet gewesen. Hier war auch ein schönes Zimmer frei, zum Garten mit viel Licht und Sonne. Leider gab es ein „aber“. Die Tür war gesichert mit einem Zahlencode, den man eingeben musste, um nach draußen zu kommen. So weit, so gut. Der Zahlencode jedoch stand in großen Ziffern 50cm über dem Eingabefeld. „Wir müssen das machen wegen der Sicherheit, wenn was passiert, müssen ja alle nach draußen kommen.“
„Mein Vater hat das in einem Tag herausgefunden und würde zu allen Tages- und Nachtzeiten spazieren gehen. Nein, da hab‘ ich keine Ruhe.“ „Ja, wir haben eine Dame, die drei Mal in der Woche von der Polizei zurückgebracht wird. Sie ist schon jedem Polizisten bekannt.“ Nein, das war dann auch nichts. Ich würde keine Nacht ruhig schlafen.

„Oh ja, wir sind gut vorbereitet für Bewohner, die gerne nach draußen spazieren und nachts durch Haus wandern.“ Das hörte sich doch gut an. Das dritte Heim, auch in Bad Nauheim, ein Altbau zwar und renovierungsbedürftig, aber schon am Telefon hatte ich ein gutes Gefühl. Der Besuch dort überzeugte mich. Die Heimleiterin führte mich rum, erklärte mir geduldig alles, beantwortete jede Frage. Und – oh Wunder – es war ein Bett in einem Doppelzimmer frei.
Hier gab es eine Pforte, die Haustür war geschlossen, nur mit klingeln kam ich rein und auch wieder raus. Die Notausgänge waren mit Zahlencode gesichert. Die Mitarbeiter wussten ihn auswendig und wenn jemand ohne Eingabe des Codes nach draußen ging, gab es einen Alarm. Dann schaute jemand sofort nach.

Ich entschied mich für dieses Heim, und es war eine gute Entscheidung. Mein Vater fand immer genug „Kumpels“, die nachts mit ihm das Heim „aufräumten“ und er hat im ersten Jahr, den Alarm oft genug ausgelöst. Aber ich konnte ruhig schlafen, er war und ist dort gut aufgehoben.

(Fortsetzung von „Die Entscheidung„.)

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