Schlagwort-Archive: Heim

Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand

Als sie Anfang siebzig war, findet die Mutter von Jörn Klare ihre Küche nicht mehr. Die Ärzte diagnostizieren Demenz. Für den Sohn wirft das große Fragen nach dem Wert und der Würde des Lebens mit Demenz auf. Kann ein Mensch seine Würde verlieren? Kann man sich selbst verlieren? Er spricht darüber mit Fachmenschen, wie Altenpfleger, Theologen, Soziologen und Psychologen.

„Demenz macht Angst. Angst ist der größte Risikofaktor für gute Hirnleistungen. Schön, dass es auch gute Nachrichten gibt: Neun von zehn Menschen jenseits der fünfundsechzig sind nicht dement.“ Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand weiterlesen

Demenz für Anfänger – Das Buch

Oma Paula war die Konstante im Leben ihrer Enkelin Zora Debrunner; ihr Haus war Zoras zweites Zuhause. Sie verbrachte die Ferien dort, auch eine lange Zeit der Rekonvaleszenz. Oma Paula war ihre Vertraute, sie besprachen am Küchentisch alles, den ersten Liebeskummer, Schulprobleme und alles was ihnen im Leben wichtig war. Doch irgendwann nach dem plötzlichen Tod von Zoras Mutter, wurde Oma Paula vergesslich und langsam dement. Es kam der Zeitpunkt, da sie nicht mehr allein in ihrem Haus leben konnte und in ein nahegelegenes Heim ging. Anfang Januar, als ich die letzten Seiten im Buch las, ist Oma Paula gestorben. Demenz für Anfänger – Das Buch weiterlesen

Ein Heim finden

„Wie? Sie haben einen Demenzgarten, aber kein Konzept für Demenz-Patienten mit Weglauftendenzen?“ Gewappnet mit der Liste der Sozialarbeiterin aus dem Krankenhaus, suchte ich mir – auch über Internetrecherche – im Juli 2013 ein paar Heime aus, die ich mir ansehen wollte. Da ich kurze Wege haben wollte kamen nur Friedberg und Bad Nauheim in Frage, eventuell Rosbach oder Florstadt. Das erste mit dem Demenzgarten in Friedberg machte keinen guten Eindruck auf mich, obwohl neu gebaut und alles sehr modern, war es kein guter Empfang. Ein Heim finden weiterlesen

Der Heimgang

2016-07-29 12.08.00-1Wer geht heim? Oder ist es ein Buch über den Tod? – Das sind die ersten Gedanken, die mir bei diesem Buchtitel durch den Kopf gingen. Es ist von allem ein wenig. Das Wortspiel funktioniert. Otto Streckeisen war knapp über 90 Jahre als er ins Altersheim gegangen ist. Freiwillig ging er dorthin, weil er im Alltag schwächer und kränklicher wurde. Er erkannte, dass er immer mehr auf fremde Hilfe angewiesen sein würde. Zu Hause war ein alter Kranker unter jungen Gesunden; im Heim ist er einer unter Vielen. Also nichts Besonderes, wie er selbst sagt. Durch Zufall kam er dazu, eine regelmäßige Kolumne für eine Zeitung zu schreiben. Der Heimgang weiterlesen

Der 80. Geburtstag

2016-07-16 14.06.43„Nein, das geht nicht“, unwillig schaute mich Therese an. Okay, so durfte ich die Tischdecke also nicht hinlegen. „Wie dann, Therese?“ „Anders“, schimpfte sie und schnappte sich die Tischdecke. Ich seufzte, wie anders sollte das gehen, der Tisch ist quadratisch die Decke auch. Sie legte die Decke auf und verschob sie einfach einmal im Uhrzeigersinn. So also konnte es gehen. Es waren insgesamt acht Tische, auf die ich eine hellblaue Decke legen wollte. Therese immer hinter mir her, um sie dann einmal zu drehen. Gut, sie war damit an dieser Aktion beteiligt und freute sich, mir zu helfen. Der 80. Geburtstag weiterlesen

Im Krankenhaus – 10 Tage

Krankenhaus„Ihr Vater war heute früh sehr aggressiv.“ Ich schaute die Pflegerin an, die dies so ganz nebenbei zu mir sagte, als ich meinen Vater am 6. Tag im Krankenhaus besuchte. „Was war denn los?“ wollte ich wissen. „Wir mussten ihm einen Katheder anlegen, da wir eine Urinprobe brauchten, da hat er plötzlich um sich geschlagen.“ Hm?! Ich stellte mir vor, dass die Pflegerin an seinem Bett gestanden hat und sagte: „Herr Schäfer, wir legen jetzt einen Katheder an!“ und sofort loslegte. Das kann ja nur schiefgehen. „Wissen Sie, bei schwer dementen Patienten geht das nicht so fix. Und wie soll er Ihnen denn mitteilen, dass er das nicht mag? Er kann sich ja nicht mehr verständlich machen.“ Sie zuckte mit den Schultern und ging. Im Krankenhaus – 10 Tage weiterlesen

„Vater“ – ein Theaterstück

Vater_Theater„Irgendetwas Seltsames passiert. Als hätte ich Löcher im Gedächtnis. Kriegt keiner mit. Winzig klein. Mit bloßem Auge nicht zu sehen. Aber ich, ich spüre es …“, sagt André zu seiner Pflegerin am Ende im Heim.

André ist die Hauptfigur im Theaterstück „Vater“ von Florian Zeller. Es zeigt 15 Szenen aus dem Leben des dement werdenden André. Seine Tochter versucht, eine Betreuerin zu organisieren, ihr Vater  meint, er komme natürlich noch sehr gut allein zurecht. „Vater“ – ein Theaterstück weiterlesen

Frühlingsmüde

squirrels-834483_1920Es war so still auf der Station als ich letzte Woche da war. Kein Gebrummel, kein Singen, kein Geschimpfe oder lautes Rufen, war zu hören. Niemand lief umher, keiner rückte Stühle oder dekorierte lautstark Zimmer um. Es war eine seltsame Ruhe, die ich schon bemerkte als ich klingelte und das Haus betrat. Selbst der Mensch an der Pforte war leiser als sonst. Niemand empfing mich im Vorraum an der Telefonzelle. Frühlingsmüde weiterlesen

Demente sind nicht doof

Demenz_Buch„Dement, aber nicht bescheuert“, so heißt das im letzten Oktober erschienene Buch von Michael Schmieder. Klar, dass ich es mir sofort gekauft habe, das ist ja „mein“ Thema. Schmieder ist Leiter einer Pflegeeinrichtung in der Schweiz, deren Konzept als vorbildlich in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen gilt.

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Dinge verschwinden (1): die Brille

Sehtest„Papa, kannst du mich überhaupt sehen?“ Er blinzelte mich verschlafen an. Ich sah, dass er seine Brille nicht auf hatte. Da er sehr weitsichtig war, blieb ich auf Abstand. Er guckte mich sehr erstaunt an. Ich hatte das Gefühl, er versteht mich nicht. Ich ging zu ihm ans Bett, streichelte ihm übers Gesicht und sagte: „Papa, kannst du mich sehen? Du hast keine Brille auf? Wo ist sie denn?“ Dinge verschwinden (1): die Brille weiterlesen