Das Interview

20150328_WZ_bearbeitet-1Die Redakteurin der Wetterauer Zeitung sprach mich direkt an: „Ich möchte gerne über deinen Blog berichten. Das Thema ist wichtig und ich finde deine Geschichten berührend.“ Ich war sprachlos, meine persönlichen Erfahrungen waren also wichtig genug, dass die Zeitung darüber berichten wollte. Aber das genau ist ja ein Ziel des Blogs, dass in der Öffentlichkeit über dieses Krankheitsbild geredet wird, dass man darüber reden „darf“ und nichts verschleiern muss.

Nun saß ich mit der Redakteurin in einem kleinen Café in Bad Nauheim und wir plauderten über meinen Vater, sein Leben und dass ich nie gedacht hatte, dass einmal mit Demenz konfrontiert zu werden. Früher hörte ich immer: „Das bekommen nur Menschen, die nicht flexibel genug im Denken sind.“ Das aber war doch mein Vater, immer musste er sich mit neuen Kulturen auseinandersetzen, schwierige Situationen meistern und schnell unbekannte Sprachen lernen.

Das Gespräch führte mich wieder zurück, zum Tod meiner Mutter, die Zeit danach und wie schleichend der Prozess bei meinem Vater von statten ging. Am schwierigsten war für mich, dass er seine Krankheit lange verbergen konnte und selbst Nachbarn und Bekannte, als er ins Heim kam, überrascht waren, wie es denn soweit kommen konnte.

Der Zeitungsartikel erschien in der Sonderbeilage „Senioren-Journal“, genau da gehörte er hin. Die Resonanz überwältigt mich heute noch. Da werde ich im Geschäft und auf der Straße von Menschen angesprochen. Manche sagen: „Das wussten wir gar nicht, dass es so schlimm war!“ Andere: „Ich kenne ihn ja und habe nun alle Artikel in deinem Blog nachgelesen, ich glaube, mit meiner Nachbarin ist es auch soweit.“

Das wollte ich erreichen: Öffentlichkeit! Zumindest erst mal hier in der Region. Aber ich bekomme immer wieder bei neuen Artikeln E-Mails von mir völlig fremden Menschen. Gut, dass über Demenz geredet wird, wir müssen uns nicht schämen, wenn wir ein Familienmitglied haben. Reden hilft, die Erfahrung habe ich selbst gemacht. Es gibt inzwischen genug Anlaufstellen für Angehörige und Betroffene, man muss sie nur nutzen.

Wenn mein Blog und der Zeitungsartikel dazu beiträgt, dass die Krankheit ein wenig ihren Schrecken verliert, dann bin ich glücklich.

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