Schlagwort-Archive: Gesellschaft

Der Heimgang

2016-07-29 12.08.00-1Wer geht heim? Oder ist es ein Buch über den Tod? – Das sind die ersten Gedanken, die mir bei diesem Buchtitel durch den Kopf gingen. Es ist von allem ein wenig. Das Wortspiel funktioniert. Otto Streckeisen war knapp über 90 Jahre als er ins Altersheim gegangen ist. Freiwillig ging er dorthin, weil er im Alltag schwächer und kränklicher wurde. Er erkannte, dass er immer mehr auf fremde Hilfe angewiesen sein würde. Zu Hause war ein alter Kranker unter jungen Gesunden; im Heim ist er einer unter Vielen. Also nichts Besonderes, wie er selbst sagt. Durch Zufall kam er dazu, eine regelmäßige Kolumne für eine Zeitung zu schreiben. Der Heimgang weiterlesen

„Vater“ – ein Theaterstück

Vater_Theater„Irgendetwas Seltsames passiert. Als hätte ich Löcher im Gedächtnis. Kriegt keiner mit. Winzig klein. Mit bloßem Auge nicht zu sehen. Aber ich, ich spüre es …“, sagt André zu seiner Pflegerin am Ende im Heim.

André ist die Hauptfigur im Theaterstück „Vater“ von Florian Zeller. Es zeigt 15 Szenen aus dem Leben des dement werdenden André. Seine Tochter versucht, eine Betreuerin zu organisieren, ihr Vater  meint, er komme natürlich noch sehr gut allein zurecht. „Vater“ – ein Theaterstück weiterlesen

Frühlingsmüde

squirrels-834483_1920Es war so still auf der Station als ich letzte Woche da war. Kein Gebrummel, kein Singen, kein Geschimpfe oder lautes Rufen, war zu hören. Niemand lief umher, keiner rückte Stühle oder dekorierte lautstark Zimmer um. Es war eine seltsame Ruhe, die ich schon bemerkte als ich klingelte und das Haus betrat. Selbst der Mensch an der Pforte war leiser als sonst. Niemand empfing mich im Vorraum an der Telefonzelle. Frühlingsmüde weiterlesen

Demente sind nicht doof

Demenz_Buch„Dement, aber nicht bescheuert“, so heißt das im letzten Oktober erschienene Buch von Michael Schmieder. Klar, dass ich es mir sofort gekauft habe, das ist ja „mein“ Thema. Schmieder ist Leiter einer Pflegeeinrichtung in der Schweiz, deren Konzept als vorbildlich in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen gilt.

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Der Werner von Siemens

WernervonSiemens„Ich bin der Werner von Siemens“, so stellte sich mein Vater breit grinsend oft Menschen vor, denen er zum ersten Mal begegnete. Und er hatte jedes Mal nach ein paar Sekunden die Lacher auf seiner Seite. Seinen Betriebsangehörigenausweis haben wir am Wochenende zufällig in seinem Arbeitskeller gefunden. Da kommen Erinnerungen wieder ans Tageslicht. Ich musste sofort an diesen ‚Werner von Siemens‘ denken. Der Werner von Siemens weiterlesen

Ich hadere manchmal

Zwei Senioren sitzen auf einer Bank im Park im Sommer

„Ach, das hat doch die Mutti verabredet, was weiß ich!“ Diese Aussage hörte ich immer bei meinem Vater, wenn ich nach einer Verabredung am Wochenende fragte. Meine Eltern gehören zu der Generation, in der die Ehefrauen für die Sozialbeziehungen zuständig waren. So hat meine Mutter wie selbstverständlich auch die Termine organisiert, die mein Vater mit seinen Schulfreunden ausgemacht hat. Und wie selbstverständlich sind diese Freunde auch die Freunde meiner Mutter geworden. Ich habe nie erlebt, dass mein Vater mal mit seinen Kameraden allein losgezogen wäre. Ich hadere manchmal weiterlesen

Das Interview

20150328_WZ_bearbeitet-1Die Redakteurin der Wetterauer Zeitung sprach mich direkt an: „Ich möchte gerne über deinen Blog berichten. Das Thema ist wichtig und ich finde deine Geschichten berührend.“ Ich war sprachlos, meine persönlichen Erfahrungen waren also wichtig genug, dass die Zeitung darüber berichten wollte. Aber das genau ist ja ein Ziel des Blogs, dass in der Öffentlichkeit über dieses Krankheitsbild geredet wird, dass man darüber reden „darf“ und nichts verschleiern muss. Das Interview weiterlesen

Der Autoschlüssel

Der Autoschlüssel„Papa, wir haben früher oft darüber gesprochen, wann es Zeit ist, den Autoschlüssel abzugeben und nicht mehr Auto zu fahren.“ „Jaja, meine Schwester hat das viel zu spät gemacht. Ich hab immer wieder mit ihr geschimpft und was da nicht alles passiert ist. Es hätte viel schlimmer kommen können.“ „Ja, Papa, ich erinnere mich noch gut, sie war ja mal plötzlich auf den Gehsteig gefahren.“ „Ja und?“ „Papa, du hast damals zu mir gesagt, wenn ich meine, dass es soweit sei, solle ich dir den Schlüssel abnehmen, auch wenn du das nicht willst.“ Der Autoschlüssel weiterlesen

Information tot Not

Demenz Vergesslichkeit AltersdemenzVor fünf Monaten startete ich nach langem Überlegen diesen Blog. Meine Ziele waren zum einen für mich festzuhalten, wie die Demenz meines Vaters unser gemeinsames Leben verändert, unsere Beziehung ändert und zum anderen war mir Sichtbarkeit und Aufklärung über die Krankheit, die jeden treffen kann, wichtig. Von der Resonanz war ich überwältigt, die ersten Posts wurden jeweils von über 500 Personen gelesen und ich bekam sehr viel Resonanz, weniger in Kommentaren, mehr in Emails, auch von mir völlig fremden Menschen. Information tot Not weiterlesen

Einfach mal Danke sagen

Grüne "Danke" - Plakette auf HolzAm letzten Tag des Jahres 2014 möchte ich allen, die mich in den letzten Jahren bewusst oder unbewusst unterstützt haben, danke sagen. Ihr alle habt dazu beigetragen, dass mein Vater so lange es eben ging zu Hause in seiner gewohnten Umgebung bleiben konnte. Ihr habt dazu beigetragen, dass wir diese Zeit noch mit ihm (und er mit uns) haben konnte, dass wir das Schöne genießen konnten und das Schwere ertragen konnten. Einfach mal Danke sagen weiterlesen