Alle Beiträge von Salecker

Der Tag X

„Hallo mein Name ist Malu Schäfer und jetzt halten Sie mich bitte nicht für verrückt oder pietätlos, es ist noch niemand gestorben. Aber mein Vater war gerade sehr krank und ich dachte tatsächlich, er würde sterben. Nun überliege ich, schon mal ein Gespräch mit Ihnen zu führen, damit ich weiß, was auf mich zukommt.“ Kann man sich auf den Tag X vorbereiten? Gemeint ist hier der Todestag eines geliebten Angehörigen. Nein, ich rede nicht von den Gefühlen. Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Auch wenn man es weiß, dass es in absehbarer Zeit soweit sein wird, ist es fürchterlich, wenn es passiert. Der Tag X weiterlesen

In eigener Sache – wie geht es weiter?

Viele haben mich nach dem Tod meines Vaters am 7. April gefragt, was nun mit dem Blog geschieht. Ich werde ihn auf jeden Fall weiterführen. Er lebt in meinen Erinnerungen weiter. Als ich die letzten Wochen einige persönliche Sachen und Unterlagen sortieren musst, sind mir so viele Geschichte aus seinem und unserem Leben eingefallen. Darüber möchte ich schreiben. Aber es sind auch noch viele Erlebnisse, die ich mit ihm hatte in der Zeit der Erkrankung, die ich euch nicht vorenthalten möchte. In eigener Sache – wie geht es weiter? weiterlesen

Warten! Ja worauf?

„Malu, wie lange bist du noch in Urlaub? Deinem Vater geht’s nicht gut!“ Zwei Tage vor Urlaubsende bekam ich diese WhatsApp. Dann ist der Urlaub einfach gelaufen. Ich rief natürlich sofort an und was ich hörte, versetzte mich in Aufregung. Er reagiert nicht mehr, ist noch mehr abgemagert, mag nicht mehr essen und bleibt nur noch im Bett. Mein Vater und nicht mehr essen! Er hat immer gut gegessen und sich auch gerne an den Tellern der anderen bedient. Trotzdem ist er im letzten Jahr, seit dem Krankenhausaufenthalt im Mai 2016 sehr dünn geworden, nur noch Haut und Knochen. Warten! Ja worauf? weiterlesen

Der Film-Pult oder so

„Du musst … da kommt … also die Post.“ „Papa, soll ich auf die Post, was holen?“ „Hmmm …. Nein … Da kommt ein Pult.“ „Ach du meinst, die liefern was?“ „Ja.“ Ich sah, er rang nach Worten, aber es fiel ihm partout nicht ein, was er sagen wollte. „Filme, da …. Conrad ….“ Ohje, Post, Pult, Filme, Conrad da sollte ich dann was draus machen. Die Worte verloren sich ganz schnell. Als mein Vater 2013 im August ins Heim kam, hatte er schon heftige Wortfindungsstörungen. Immer mehr Worte eines Satzes wurden durch „dings“ ersetzt. Der Film-Pult oder so weiterlesen

Arzt-Angehörigen-Kommunikation from hell

„Ihr Vater hat mal wieder heftig mit dem Schädel gebremst und eine Platzwunde am Kopf. Er ist im Krankenhaus, wird aber wohl wieder heute zurückkommen, wie die letzten Male auch.“ Einen solchen Anruf aus dem Heim bekomme ich ca. vier Mal im Jahr und es regt mich auch nicht weiter auf. Nur diesmal kam zwei Stunden ein weiterer Anruf: „Ihr Vater wird sicherheitshalber über Nacht dortbleiben.“ Warum? Die Antwort war naheliegend, es könne ja auch eine Gehirnerschütterung sein. Okay, das hatten wir noch nie, aber ich gab mich damit zufrieden. Arzt-Angehörigen-Kommunikation from hell weiterlesen

Demenz für Anfänger – Das Buch

Oma Paula war die Konstante im Leben ihrer Enkelin Zora Debrunner; ihr Haus war Zoras zweites Zuhause. Sie verbrachte die Ferien dort, auch eine lange Zeit der Rekonvaleszenz. Oma Paula war ihre Vertraute, sie besprachen am Küchentisch alles, den ersten Liebeskummer, Schulprobleme und alles was ihnen im Leben wichtig war. Doch irgendwann nach dem plötzlichen Tod von Zoras Mutter, wurde Oma Paula vergesslich und langsam dement. Es kam der Zeitpunkt, da sie nicht mehr allein in ihrem Haus leben konnte und in ein nahegelegenes Heim ging. Anfang Januar, als ich die letzten Seiten im Buch las, ist Oma Paula gestorben. Demenz für Anfänger – Das Buch weiterlesen

Ein Heim finden

„Wie? Sie haben einen Demenzgarten, aber kein Konzept für Demenz-Patienten mit Weglauftendenzen?“ Gewappnet mit der Liste der Sozialarbeiterin aus dem Krankenhaus, suchte ich mir – auch über Internetrecherche – im Juli 2013 ein paar Heime aus, die ich mir ansehen wollte. Da ich kurze Wege haben wollte kamen nur Friedberg und Bad Nauheim in Frage, eventuell Rosbach oder Florstadt. Das erste mit dem Demenzgarten in Friedberg machte keinen guten Eindruck auf mich, obwohl neu gebaut und alles sehr modern, war es kein guter Empfang. Ein Heim finden weiterlesen

Neun Monate

Gibt es so etwas wie „mit dem Tod schwanger gehen“? Ja. Die Mutter von Roswitha Quadflieg machte sich neun Monaten auf den Weg bis zu ihrem Tod. Sehr persönlich beschreibt die Autorin, wie ihre 92-jährige Mutter, die schon in einer Seniorenresidenz lebte, plötzlich „verrückt“ wurde. Eben war sie noch ganz klar im Kopf und dann verkriecht sie sich in den Keller, weil überall Spitzel in ihrer Wohnung sind. Neun Monate weiterlesen

Eine Art Gymnastik

Bürstenwurm„Huch Papa!“ Erstaunt schaute ich meinen Vater an, als ich zum Besuch sein Zimmer betrat. Erwartete ich doch, dass er- wie meist – im Bett lag, zur Wand blickte und ich ihn erst mehrmals ansprechen musste, bis er sich mir zuwenden würde. Heute war ich sprachlos. Er saß auf dem Bett, schaute mich erwartungsvoll an und balancierte eine PET-Flasche auf seinem Arm. Ich grinste, setzte mich zu ihm, gab ihm einen Kuss auf die Wange. Er wehrte mich aber ab. Schließlich störte ich seine Versuche, die PET-Fasche auf seinem Kopf zu balancieren. Eine Art Gymnastik weiterlesen