Archiv der Kategorie: Alltag

Im Krankenhaus – 10 Tage

Krankenhaus„Ihr Vater war heute früh sehr aggressiv.“ Ich schaute die Pflegerin an, die dies so ganz nebenbei zu mir sagte, als ich meinen Vater am 6. Tag im Krankenhaus besuchte. „Was war denn los?“ wollte ich wissen. „Wir mussten ihm einen Katheder anlegen, da wir eine Urinprobe brauchten, da hat er plötzlich um sich geschlagen.“ Hm?! Ich stellte mir vor, dass die Pflegerin an seinem Bett gestanden hat und sagte: „Herr Schäfer, wir legen jetzt einen Katheder an!“ und sofort loslegte. Das kann ja nur schiefgehen. „Wissen Sie, bei schwer dementen Patienten geht das nicht so fix. Und wie soll er Ihnen denn mitteilen, dass er das nicht mag? Er kann sich ja nicht mehr verständlich machen.“ Sie zuckte mit den Schultern und ging. Im Krankenhaus – 10 Tage weiterlesen

Das bin ich

ZimmerschildFreudig kam mir mein Vater entgegen gelaufen, als er mich im Treppenhaus sah. Es war im August 2013 kurz nachdem er ins Heim gekommen ist. „Schau mal“, rief er, „das bin ich!“ Neugierig lief ich hinterher, gespannt darauf, welches Bild er mir nun zeigen würde. Ich dachte an diejenigen, die ich in seinem Zimmer als Collage zusammengestellt hatte, da war auch ein sehr schönes von ihm dabei. Doch vor seiner Zimmertür machte er Halt und deutete auf ein Schild neben der Tür. Das bin ich weiterlesen

Dinge verschwinden (2): manchmal auch Papa

SuchenFindenFröhlich stieg ich aus dem Aufzug, schaute ins Gemeinschaftszimmer und die Betreuerin winkte mit gut gelaunt zu: „Ihr Vater ist im Zimmer und schläft.“ Wir schauten uns schulterzuckend an und dachten beide: Wie immer.“ Die Zimmertür stand weit offen und die Sonne schien herein. Oh Schreck, das Bett war leer. So ging ich den Gang entlang, um ihn zu suchen. Die Mitarbeiterin des Heims unterstützte mich gleich: „Ich geh nach oben, schauen Sie unten nach!“ Dinge verschwinden (2): manchmal auch Papa weiterlesen

Frühlingsmüde

squirrels-834483_1920Es war so still auf der Station als ich letzte Woche da war. Kein Gebrummel, kein Singen, kein Geschimpfe oder lautes Rufen, war zu hören. Niemand lief umher, keiner rückte Stühle oder dekorierte lautstark Zimmer um. Es war eine seltsame Ruhe, die ich schon bemerkte als ich klingelte und das Haus betrat. Selbst der Mensch an der Pforte war leiser als sonst. Niemand empfing mich im Vorraum an der Telefonzelle. Frühlingsmüde weiterlesen

Der Wasserschaden

Der Wasserschaden Es war Anfang April 2013. Ich war mitten in den Vorbereitungen einer größeren Veranstaltung und entsprechend angespannt. Ein Promi sollte der Gastredner sein und da musste alles stimmen. Am Vortag war ich in der Location, um alles für den großen Tag zu richten. Eine Freundin war bei meinem Vater. Sie wollte so nett sein, ein bisschen mit ihm im Garten zu arbeiten. Der Wasserschaden weiterlesen

Demente sind nicht doof

Demenz_Buch„Dement, aber nicht bescheuert“, so heißt das im letzten Oktober erschienene Buch von Michael Schmieder. Klar, dass ich es mir sofort gekauft habe, das ist ja „mein“ Thema. Schmieder ist Leiter einer Pflegeeinrichtung in der Schweiz, deren Konzept als vorbildlich in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen gilt.

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Theoretisches Basteln

seamless pattern background, with strokes, splashes, triangles and stripes

„Und? Was habt Ihr heute gemacht, Papa?“ „Was ganz Komisches.“ Es war im Sommer 2013, er war gerade ein paar Tage im Krankenhaus bevor er ins Heim kam. Bei seiner Antwort schaute er mich sehr unwirsch an. „Es hat dir also nicht gefallen?“ „Ach was soll ich sagen, es war wie… wie, also … .“ Theoretisches Basteln weiterlesen

Du hast einen an der Waffel

Bürstenwurm Demenz

„Oh, die müssen Sie probieren, die sind köstlich!“ Der Arzt, der donnerstags auf die Demenzstation kommt, huscht mampfend an mir vorbei. Er hat eine frisch gebackene Waffel in der Hand, aus der Schokocreme trieft. Sein Blick ist verklärt.
Neugierig gehe ich ins Gemeinschaftszimmer, aus dem herrlicher Waffelduft strömt. Eine Mitarbeiterin begrüßt mich geschäftig: „Kommen Sie, Sie bekommen auch eine. Wir stimmen uns auf Weihnachten ein.“ Da mein Vater nirgends zu sehen war, sage ich: „Ich geh erst Papa holen. Wir essen dann zusammen.“ Du hast einen an der Waffel weiterlesen

Der Werner von Siemens

WernervonSiemens„Ich bin der Werner von Siemens“, so stellte sich mein Vater breit grinsend oft Menschen vor, denen er zum ersten Mal begegnete. Und er hatte jedes Mal nach ein paar Sekunden die Lacher auf seiner Seite. Seinen Betriebsangehörigenausweis haben wir am Wochenende zufällig in seinem Arbeitskeller gefunden. Da kommen Erinnerungen wieder ans Tageslicht. Ich musste sofort an diesen ‚Werner von Siemens‘ denken. Der Werner von Siemens weiterlesen

Dinge verschwinden (1): die Brille

Sehtest„Papa, kannst du mich überhaupt sehen?“ Er blinzelte mich verschlafen an. Ich sah, dass er seine Brille nicht auf hatte. Da er sehr weitsichtig war, blieb ich auf Abstand. Er guckte mich sehr erstaunt an. Ich hatte das Gefühl, er versteht mich nicht. Ich ging zu ihm ans Bett, streichelte ihm übers Gesicht und sagte: „Papa, kannst du mich sehen? Du hast keine Brille auf? Wo ist sie denn?“ Dinge verschwinden (1): die Brille weiterlesen