Archiv der Kategorie: Alltag

Der Wasserschaden

Der Wasserschaden Es war Anfang April 2013. Ich war mitten in den Vorbereitungen einer größeren Veranstaltung und entsprechend angespannt. Ein Promi sollte der Gastredner sein und da musste alles stimmen. Am Vortag war ich in der Location, um alles für den großen Tag zu richten. Eine Freundin war bei meinem Vater. Sie wollte so nett sein, ein bisschen mit ihm im Garten zu arbeiten. Der Wasserschaden weiterlesen

Demente sind nicht doof

Demenz_Buch„Dement, aber nicht bescheuert“, so heißt das im letzten Oktober erschienene Buch von Michael Schmieder. Klar, dass ich es mir sofort gekauft habe, das ist ja „mein“ Thema. Schmieder ist Leiter einer Pflegeeinrichtung in der Schweiz, deren Konzept als vorbildlich in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen gilt.

Demente sind nicht doof weiterlesen

Theoretisches Basteln

seamless pattern background, with strokes, splashes, triangles and stripes

„Und? Was habt Ihr heute gemacht, Papa?“ „Was ganz Komisches.“ Es war im Sommer 2013, er war gerade ein paar Tage im Krankenhaus bevor er ins Heim kam. Bei seiner Antwort schaute er mich sehr unwirsch an. „Es hat dir also nicht gefallen?“ „Ach was soll ich sagen, es war wie… wie, also … .“ Theoretisches Basteln weiterlesen

Du hast einen an der Waffel

Bürstenwurm Demenz

„Oh, die müssen Sie probieren, die sind köstlich!“ Der Arzt, der donnerstags auf die Demenzstation kommt, huscht mampfend an mir vorbei. Er hat eine frisch gebackene Waffel in der Hand, aus der Schokocreme trieft. Sein Blick ist verklärt.
Neugierig gehe ich ins Gemeinschaftszimmer, aus dem herrlicher Waffelduft strömt. Eine Mitarbeiterin begrüßt mich geschäftig: „Kommen Sie, Sie bekommen auch eine. Wir stimmen uns auf Weihnachten ein.“ Da mein Vater nirgends zu sehen war, sage ich: „Ich geh erst Papa holen. Wir essen dann zusammen.“ Du hast einen an der Waffel weiterlesen

Der Werner von Siemens

WernervonSiemens„Ich bin der Werner von Siemens“, so stellte sich mein Vater breit grinsend oft Menschen vor, denen er zum ersten Mal begegnete. Und er hatte jedes Mal nach ein paar Sekunden die Lacher auf seiner Seite. Seinen Betriebsangehörigenausweis haben wir am Wochenende zufällig in seinem Arbeitskeller gefunden. Da kommen Erinnerungen wieder ans Tageslicht. Ich musste sofort an diesen ‚Werner von Siemens‘ denken. Der Werner von Siemens weiterlesen

Dinge verschwinden (1): die Brille

Sehtest„Papa, kannst du mich überhaupt sehen?“ Er blinzelte mich verschlafen an. Ich sah, dass er seine Brille nicht auf hatte. Da er sehr weitsichtig war, blieb ich auf Abstand. Er guckte mich sehr erstaunt an. Ich hatte das Gefühl, er versteht mich nicht. Ich ging zu ihm ans Bett, streichelte ihm übers Gesicht und sagte: „Papa, kannst du mich sehen? Du hast keine Brille auf? Wo ist sie denn?“ Dinge verschwinden (1): die Brille weiterlesen

Der Mann mit dem Rillo

palenie cygara, cygaro w rce - w tle deski, drewno„Ohje, Papa, da müssen wir aber schnell was machen.“ Er schaute mich erstaunt an und an sich hinunter. Am liebsten hätte ich heftiger reagiert, denn was ich sah, hat mir – vorsichtig ausgedrückt – den Atem verschlagen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
An Demenz Erkrankte gehen phasenweise sehr kreativ mit ihren Körperausscheidungen um. Ja, auch das Thema will ich ansprechen, es gibt halt nicht nur die „schönen“ Geschichten mit einem Bonmot am Schluss.  Der Mann mit dem Rillo weiterlesen

Die spinnen doch!

Frau unter Stress mit Haenden an den OhrenMein Vater und ich sitzen gut gelaunt und kaffeetrinkend im Gemeinschaftsraum. Versonnen schaut er sich um. Er ist damals gerade erst zwei Monate im Heim und noch neugierig, was um ihn herum passiert. Da schwirrt eine Dame herein, die ich noch nie gesehen habe. Mein Vater brummelt etwas verächtlich: „Die ist neu hier!“ „Ja und?“ „ Na, die ist komisch. Merkste gleich!“ Gespannt schau ich, was die Dame macht. Sie setzt sich hin, inspiziert ihren Kaffeebecher und stellt ihn wieder hin. „Gleich“, sagt mein Vater. Ich äuge rüber. Die spinnen doch! weiterlesen

Ich hadere manchmal

Zwei Senioren sitzen auf einer Bank im Park im Sommer

„Ach, das hat doch die Mutti verabredet, was weiß ich!“ Diese Aussage hörte ich immer bei meinem Vater, wenn ich nach einer Verabredung am Wochenende fragte. Meine Eltern gehören zu der Generation, in der die Ehefrauen für die Sozialbeziehungen zuständig waren. So hat meine Mutter wie selbstverständlich auch die Termine organisiert, die mein Vater mit seinen Schulfreunden ausgemacht hat. Und wie selbstverständlich sind diese Freunde auch die Freunde meiner Mutter geworden. Ich habe nie erlebt, dass mein Vater mal mit seinen Kameraden allein losgezogen wäre. Ich hadere manchmal weiterlesen