Schlagwort-Archive: Angehörige

Das bin ich

ZimmerschildFreudig kam mir mein Vater entgegen gelaufen, als er mich im Treppenhaus sah. Es war im August 2013 kurz nachdem er ins Heim gekommen ist. „Schau mal“, rief er, „das bin ich!“ Neugierig lief ich hinterher, gespannt darauf, welches Bild er mir nun zeigen würde. Ich dachte an diejenigen, die ich in seinem Zimmer als Collage zusammengestellt hatte, da war auch ein sehr schönes von ihm dabei. Doch vor seiner Zimmertür machte er Halt und deutete auf ein Schild neben der Tür. Das bin ich weiterlesen

Im Krankenhaus – Notaufnahme

Erste Hilfe5:45 Uhr und mein Handy klingelte. Völlig schlaftrunken starrte ich wütend auf das Display. „Wer um Himmels Willen ruft um diese Zeit an?“ Plötzlich erkannte ich die Nummer auf dem Display – das Heim – da rief mich jemand aus dem Heim an. Schon gestern, ging es Papa nicht gut und er sollte dem Neurologen vorgestellt werden, noch in dieser Woche. „Warum zum Teufel rufen die um diese Uhrzeit an?“ Ganz langsam wurde mir klar, dass etwas passiert sein muss und es besser wäre, wenn ich jetzt drangehen würde. Mit einem zaghaften „Jaaaa bitte?“ nahm ich den Anruf entgegen. Im Krankenhaus – Notaufnahme weiterlesen

„Vater“ – ein Theaterstück

Vater_Theater„Irgendetwas Seltsames passiert. Als hätte ich Löcher im Gedächtnis. Kriegt keiner mit. Winzig klein. Mit bloßem Auge nicht zu sehen. Aber ich, ich spüre es …“, sagt André zu seiner Pflegerin am Ende im Heim.

André ist die Hauptfigur im Theaterstück „Vater“ von Florian Zeller. Es zeigt 15 Szenen aus dem Leben des dement werdenden André. Seine Tochter versucht, eine Betreuerin zu organisieren, ihr Vater  meint, er komme natürlich noch sehr gut allein zurecht. „Vater“ – ein Theaterstück weiterlesen

Demente sind nicht doof

Demenz_Buch„Dement, aber nicht bescheuert“, so heißt das im letzten Oktober erschienene Buch von Michael Schmieder. Klar, dass ich es mir sofort gekauft habe, das ist ja „mein“ Thema. Schmieder ist Leiter einer Pflegeeinrichtung in der Schweiz, deren Konzept als vorbildlich in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen gilt.

Demente sind nicht doof weiterlesen

Bis der Weihnachtsmann kommt…

Weihnachtsfeier2015Weihnachtsfeier! Diese wurden mit viel Liebe von den Mitarbeitern vorbereitet. Ich war gespannt, wie es in diesem Jahr sein würde, bei seiner ersten wartete Papa vergeblich auf Saddam, bei der zweiten im letzten Jahr bekam er Tinnitus vom vielen Singen. Was würde diesmal sein?
Er wollte in diesem Jahr so lange am Tisch sitzen bis der Weihnachtsmann kommt. Das hat er mir trotz Wortfindungsproblemen immer wieder versichert. Bis der Weihnachtsmann kommt… weiterlesen

Dinge verschwinden (1): die Brille

Sehtest„Papa, kannst du mich überhaupt sehen?“ Er blinzelte mich verschlafen an. Ich sah, dass er seine Brille nicht auf hatte. Da er sehr weitsichtig war, blieb ich auf Abstand. Er guckte mich sehr erstaunt an. Ich hatte das Gefühl, er versteht mich nicht. Ich ging zu ihm ans Bett, streichelte ihm übers Gesicht und sagte: „Papa, kannst du mich sehen? Du hast keine Brille auf? Wo ist sie denn?“ Dinge verschwinden (1): die Brille weiterlesen

Der Mann mit dem Rillo

palenie cygara, cygaro w rce - w tle deski, drewno„Ohje, Papa, da müssen wir aber schnell was machen.“ Er schaute mich erstaunt an und an sich hinunter. Am liebsten hätte ich heftiger reagiert, denn was ich sah, hat mir – vorsichtig ausgedrückt – den Atem verschlagen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
An Demenz Erkrankte gehen phasenweise sehr kreativ mit ihren Körperausscheidungen um. Ja, auch das Thema will ich ansprechen, es gibt halt nicht nur die „schönen“ Geschichten mit einem Bonmot am Schluss.  Der Mann mit dem Rillo weiterlesen

Das Interview

20150328_WZ_bearbeitet-1Die Redakteurin der Wetterauer Zeitung sprach mich direkt an: „Ich möchte gerne über deinen Blog berichten. Das Thema ist wichtig und ich finde deine Geschichten berührend.“ Ich war sprachlos, meine persönlichen Erfahrungen waren also wichtig genug, dass die Zeitung darüber berichten wollte. Aber das genau ist ja ein Ziel des Blogs, dass in der Öffentlichkeit über dieses Krankheitsbild geredet wird, dass man darüber reden „darf“ und nichts verschleiern muss. Das Interview weiterlesen

Konfetti-Parade

Konfetti_1Eigentlich war der Plan an diesem Samstag, dem 21. März, morgens gleich zur Syltfähre durchzustarten. Eigentlich! Wenn mir da nicht drei Tage vorher über Facebook der Hinweis in die Chronik geflattert wäre, dass in Hamburg eine Konfetti-Parade stattfinden sollte. Organisiert wurde diese von KONFETTI IM KOPF, einer bundesweit angelegten Demenz-Aktion zum Mitdenken, Mitfühlen, Mitmachen. Ziel dieser Parade war es, ein weithin sichtbares Zeichen zu setzen, Konfetti-Parade weiterlesen

Alte Bilder wecken Erinnerungen

alteBilder2Was könnte das Zimmer meines Vaters schmücken und ihn gleichzeitig an Zuhause, die alten Zeiten und die Familie erinnern? Diese Frage stellte ich mir, als er im August 2013 ins Heim kam. Da fiel mir ein, dass er zeit seines Lebens immer ein großer Hobbyfotograf war. Da müsste doch was zu finden sein.

Ich wurde fündig. In seinem Büro-Werkstatt-Keller fand ich die alten Fotoalben und mindestens 5000 Dias. Ich vergrub mich in alten Erinnerungen. Alte Bilder wecken Erinnerungen weiterlesen